Ariel Bart

Ariel Bart Photo
Ariel Bart, Photo: Gabriel Baharlia

Biographie

Ariel Bart (geboren im März 98') ist eine aufstrebende Mundharmonikaspielerin und Komponistin aus Israel.

Die im März 1998 in Israel geborene Ariel Bart lebt und arbeitet derzeit in Berlin. Ariel begann im Alter von 7 Jahren mit dem Spielen der chromatischen Mundharmonika und seitdem ist sie ihr Hauptinstrument. Im Laufe der Jahre machte sie Aufnahmen und trat mit Spitzenmusikern in New York und Israel auf, darunter William Parker, Andrew Cyrille, Steve Swell, Achinoam Noa Nini, Miki Gavrielov, Davis D'aor und als Solistin mit dem Jerusalem Orchestra East and West.

Ariel schloss im Mai 2020 ihr Studium an der New School University for Jazz and Contemporary Music in NYC ab. Derzeit ist sie Masterstudentin am "Eujam" (European Jazz Master) Programm. In den vergangenen Jahren studierte Ariel in Israel und New York City mit Größen wie Aaron Parks, Reggie Workman, Shai Maestro, Jane Ira Bloom, Anat Cohen, Anat Fort, Tony Malaby und anderen.

Ariel Bart arbeitet daran, die Grenzen der Mundharmonika zu erweitern und sie gegenwärtiger zu machen, indem sie Eigenkompositionen schreibt und mit verschiedenen Bands weltweit zusammenarbeitet.

Aktuelles Album

Ariel Bart - In Between

Ariel Bart - In Between

Mayu Shviro - Cello
Moshe Elmakias - Piano
David Michaeli - Double bass
Amir Bar Akiva - Drums
Ariel Bart - Harmonica

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Ihr Debütalbum "In Between" wurde im Mai 2021 auf "Ropeadope Records" veröffentlicht. Auf dem Album präsentiert Ariel einen einzigartigen Zugang zur Mundharmonika durch ihre komponierten Melodien, die von der europäischen Jazztradition und der mittelöstlichen Welt inspiriert sind.

Astor Piazolla & Ariel Bart
Beim ersten Hören der CD - ohne Kenntnis weiterer Informationen wie Cover-Text oder Fotos – glaubte ich, ein Instrument aus der Gruppe der luftbetriebenen Instrumente wie Akkordeon, Bandoneon oder Harmonica zu hören. So kräftig, intensiv und differenziert ertönen die Laute, dass sie nicht der kleinen Mundharmonika entstammen konnten. Ich hatte sogar Assoziationen an das Bandoneon von Astor Piazolla: Klänge, Spielweise, das Dramatische in den Themen, die emotionale Wirkung. Vor geraumer Zeit hatte ich die Möglichkeit, Astor Piazolla zu interviewen. Auf die Frage nach einer möglichen Beeinflussung seiner Musik durch Jazz, antwortete der Schöpfer des Tango Nuevo sinngemäß: „Nein, nicht musikalisch, aber von der Ästhetik der Spielweise sehr. Auf Ariel Bart angewendet, könnte es lauten: „Musikalisch ist es nicht die Musik von Astor Piazolla, aber ästhetisch durchaus.“

Historie
So richtig ist die Mund-Harmonika, die im Deutschen noch den „Mund“ im Namen trägt, nie im Jazz heimisch geworden. Vielen ist Toots Thielemanns bekannt, der mit seiner Mundharmonika einen unkomplizierten, lustig swingenden Jazz prägte – ein wenig bluesig, aber nicht zu doll. Die Harmonika war oder ist – neben der Verwurzelung in der Folklore - mit einen authentischen wie archaischen Blues verbunden. Von dort wandert das kleine Blasinstrument in die Genres von Country & Western, über Rock bis in die Filmmusik. Bis heute. Denn nun betritt mit Ariel Bart die Bühne und zeigt, was mit dem Instrument im Jazz möglich ist. Alles!

Die Titel im Detail

Spirtual Wars
Bass und Piano stellen das Thema behutsam vor. Cello wie Harmonika übernehmen. Im Gegensatz zum martialischen Titel charakterisiert sich das Stück als ein Schwelgen in den schönen Harmonien einer Ballade. Unterstütz von der Band baut die Harmonika-Spielerin ihre Linien weiter aus, stringent verfolgt sie ihre Ideen, die in ausschweifenden Improvisationen gipfeln. Ein markantes Piano-Solo – trefflich unterstützt durch agiles wie subtiles Trommeln von David Michaeli - führt das Thema ergänzend fort, rundet die Ballade harmonisch.

Colors Palette
Das Piano setzt kammermusikalische Akzente wie Akkorde, in die Ariel Bart ihre Töne haucht, bläst oder kräftig mit viel Luft in das Instrument drückt, um ihm die unglaublichsten Töne zu entlocken. Ein leicht bewegter Walking Bass in Zusammenspiel mit wirbelnden Drums erledigen das Übrige, um einen kompakten, in sich geschlossenen Sound zu erzeugen. Ein auffrischendes Solo des Pianos verschafft der Harmonika Luft für die nächsten Ideen, die nicht lange auf sich warten lassen. Mit sehnsuchtsvollen, langgestreckten, dennoch erdigen Tönen der Harmonika verabschiedet sich der Titel.

Stranger on the Hill
Verhaltenes Piano, viel Stille, in die Bass, Harmonika und Cello ihre Klänge einfließen lassen. Ein Ahnung von blues-getränkter Schwermut weht durch das Thema. Die sanften Sequenzen, die der „Mundorgel“ entströmen, werden intensiver. Ariel spielt ungemein passioniert, ausdrucksstark. Die mitwirkenden Musiker treiben das Thema ebenfalls expressiv vorwärts, um sich abschließend in gefälligen harmonisch-melodischen Sequenzen zu treffen.

Memory of a Child
Cello-Klänge legen vor, die Harmonika zieht mit Motiven nach. Die Erinnerungen, auf die der Titel referiert, sind von balladesker Art. Der Bass von David Michaeli macht den Anfang des Geschichtenerzählens mit wohltönenden Figuren, die das Piano fortführt. Jetzt übernimmt Ariel Bart den Part des Story Tellings. Es sind tiefsinnige, durchaus schöne Erlebnisse, die musikalisch reflektiert werden und die wohl ein Happy End haben – so klingt es zumindest.

Deep Down
Verhaltener Piano-Auftakt, sparsame Anschläge, etwas wehmütiger der tieflagige, mit wenigen Noten auskommende Bass. Ja, weniger Töne sind hier ein Mehr. Das Thema deutet sich an, erhellt sich. Im Duo schließt sich der Kreis eines gegenseitigen Zusammenspielens zwischen kongenialen Mitgestaltern.

The Year After
Hier schimmert nach und nach immer stärker ein Gefühl von Blues durch. Nicht formal nach dem altbekannten Muster, sondern stärker als ein Gefühl des Sich-Befreiens durch den kreativen Akt des Musikmachens. Derart ist auch das Solo von Bassist David Michaeli zu verstehen, der emotional wirkende Figuren und Läufe hervor zaubert. Jetzt ist zu hören, zu spüren, dass sich alle frei spielen von aller Mühsal. Hand in Hand bringen Bass und Piano das Thema nach Hause.

Intro (feat. Mayu Shviro)
Titel sowie Untertitel besagen es. Nicht nur der Anfang, sondern das gesamte Werk gehören dem Cello und dem Spiel von Mayu Shviro. Der nutzt die Chance, seine Ideen in konkreten Tönen und Sequenzen zu realisieren. Da ist ein wenig Jazz, aber mehr Klassik und Neue Musik. Das tut einem Gefallen jedoch keinen Abbruch.

In Between
Es wäre reine Kammermusik, ECM-Sound pur, der sich hier auf den Weg macht. Wäre da nicht die Klangwelten der Harmonika von Ariel Bart, die ein starkes Gegengewicht in Beziehung auf Bodenhaftung, Ausdruck und Emotionalität setzt. Ein gefälliges, packendes Motiv mit leichter Tristesse, verursacht durch die schmachtenden Klangfarben des Cellos. Die Harmonika rettet den Titel.

Text: Cosmo Scharmer

Diskographie

  • LIGHT IN THE RAIN”, William Parker (2020)
  • From Trencadís (a selection from Migration of Silence Into and Out of The Tone World)
  • “MEXICO”, William Parker (2020)
  • From Trencadís (a selection from Migration of Silence Into and Out of The Tone World)
  • “The Center Will Hold”, Steve Swell (Not Two Records, 2020)

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