Ernst Bier

Ernst Bier Photo
Ernst Bier, Photo: Mehmet Dedeoglu

Biographie

Ernst Bier ist ein deutscher Jazz-Schlagzeuger.

Ernst Bier (* 12. Januar 1951 in Barntrup, Nordrhein-Westfalen) ist ein deutscher Jazz-Schlagzeuger.

Ernst Bier studierte 1976 bis 1978 bei Billy Brooks an der Swiss Jazz School in Bern. Er ergänzte sein Studium in den frühen 1980er Jahren durch Privatstudien bei Vernel Fournier, Charlie Persip und Elvin Jones in New York City, wo er von 1982 bis 1987 lebte und arbeitete.

Ernst war zwischen 1977 und 1982 Leiter der Band Just Friends, spielte anschließend im Trio des belgischen Gitarristen Paolo Radoni und im Trio des ungarischen Gitarristen Attila Zoller (1980 bis 1984). In New York war er Schlagzeuger der Hausband des Jazzclubs Blue Note, unter der Leitung von Ted Curson und bei der New Yorker Steptanz-Company "New York City Tapworks". Seit 1984 war er Mitglied der Band von Perry Robinson Quartet. Er absolvierte auch zahlreiche Konzerte und Tourneen mit Gene 'Mighty Flea' Connors, John Marshall, Rainer Winterschladen, Klaus König, Simon Nabatov, Ed Schuller u.v.a.

1987 zog er nach Köln und 1992 nach Berlin, wo er bis heute lebt. Dort war er Co-Leader des Quartetts mit Mack Goldsbury und Ed Schuller, das teilweise auch um Herb Robertson erweitert wurde. Aus dieser Formation kamen die Alben "At Night When You Go To Sleep" und Next Move hervor.

Er spielte auch mit Herb Geller, Günter Heinz, Allan Praskin, John Schröder, Matthias Schubert, Dave Pike, Gary Valente, Bill Bickford, Reggie Moore, Perry Robinson, Felix Wahnschaffe und Nesin Howhannesijan. In seinen aktuellen Projekten arbeitet er mit Sonny Fortune, Karl Schloz und mit Joe Sachse. Ernst Bier stand 1996 im Zentrum eines Fernsehporträts des WDR/3Sat von Dokumentarfilmer Werner Kubny.

Von 1977 bis 1979 war Ernst Bier Dozent an der PH Göttingen für Schlagzeug und improvisierte Musik, von 1978-80 Dozent für Schlagzeug beim Jazzmobile Workshop (Amhurst, Mass., USA), und seit 1992 ist er Leiter des Living School Workshops in Berlin (zusammen mit dem Saxophonisten Mack Goldsbury).

Aktuelles Album

Ernst Bier / Mack Goldsbury Quartet - Persuasive Freedom

Erik Unsworth – bass
Rolf Zielke - piano
Mack Goldsbury - saxophone
Ernst Bier - drums

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Die Titel im Detail

Hymnen – Coltraneske Themen
Time on Monday
Verhalten beginnen Sax und Bass, ein Thema vorsichtig suchend. Ein Vorspiel zieht sich in die Länge, bis das Piano das gefundene Thema vorstellt. Das klingt stark hymnisch, mitunter coltranesk. Etwas pathetisch machen Sax und die übrige Band weiter. Ein Bass-Solo überbrück die Pause, um den Trommeln den Stab des Solos zu übergeben – ein Thema für Trane-Liebhaber.

Bewegte Themen - freies Swingen – Monk´eske Titel
Like Derwyn
Nach der Erklingen der Melodielinie liegt es am Piano, für den harmonischen Drive zu sorgen. Den rhythmischen Drive erledigt die Band so lässig wie souverän. Mack Goldsbury kann es nicht lassen, intensive wie expressive Schreie seines Saxofons in Melodie und Harmonie zu stoßen. Das Stück hat etwas vom Monk´schen Esprit. Da ist viel Raum für Soli. So auch für Ernst Bier, der die thematischen Pausen und Lücken mit der geballten – im wörtlichen Sinn - Schlagkraft seiner langjährigen Erfahrung solistisch zu trommelt.

Strange Things
Ein programmatischer Titel. Die Band spielt zu Beginn frei auf, um dann jedoch in gefällige Melodielinien und Improvisationen zu gleiten. Fast klingt es wie eine Ballade, aber nur ganz kurz. Dann entströmen dem Sax von Mack Goldsbury die entfesselten Sequenzen seiner Motive. Nachdem der Bass zur harmonischen Versöhnung beigetragen hat, knüpft das Tenor daran an und entscheidet sich, das Thema doch noch als freie Ballade ausklingen zu lassen.

Abgehende rhythmische Stücke
Samba Macumba
Gefällige Melodie und „an-turn-ender“ Rhythmus. So wie der Titel lautet, so klingt es auch. Lange solistische Passagen - vom entfesselt aufspielenden Rolf Zielke am Piano - legen vor, um dann vom voluminösen Sound des Tenors abgelöst zu werden – ausgereifter Power-Sound des Quartetts. Ähnlich tönt der Titel Persistence mit swingenden Motiven, Walking Bass und agilem Drumming als rhythmischer Grundlage. Das geht ab.

Persuasive Freedom
Das Titelthema stellt sich mit markanter Aussage vor, bleibt dabei kurzweilig. Kaum ist ein Thema, ein Rhythmus, „angesprochen“, wird es sogleich zur Improvisation freigegeben – frei von tradierten Harmonien.

Mother´s Day, Avenue G
Auch das sind Titel mit immens treibenden Rhythmen. Verschachtelte Figuren, die sich bis ins Dramatische hoch schrauben. Besonders der Mann am Tenorsax lässt die Spannung steigen. Das geht nur deshalb so gut, weil die anderen Mitgestalter eine musikalische Basis liefern, an der es nichts, aber auch wirklich nichts, zu meckern gibt. Für die "Berliner“ Jazzer ist das höchstes Lob.

Balladen
Incandescant
Balladen müssen sein, denn die Musiker haben ihre Geschichten zu erzählen. Mack macht den Anfang: coltranesk, vollmundig, ein ausgereiftes Tenorsaxofon in bester Tradition der großen Jazz-Klassiker. Das Piano fügt sich wunderbar in die musikalische Aussage dieser Ballade ein – perlend, swingend, erfrischend. Da will der Bass nicht im Abseits stehen. Erik Unsworth ergänzt das Spiel mit virtuosen Läufen seiner warmtönenden Figuren. Was wäre eine Ballade ohne die singende Eleganz der tiefen Holtztöne der Bassgeige? Ein paar gefällige Melodietupfer des Saxofons, das Thema entschwindet sanft.

Grey
Eine weitere Ballade – was zum Träumen. Aber nicht titelgrau, sondern von der dunkelroten Schönheit der „Klangfarbe“ Bordeaux, die dem balladesken Jazz ihren Namen schenkt.

Souful Bill
Hier bläst Goldsbury einmal Flöte. Ein swingendes Thema, das balladenhaft vorgetragen, Ruhe vermittelt. Ausgewogen verteilen sich die musikalischen Elemente von Ruhe und Spannung – eine Ballade zum Tagträumen am späten Nachmittag.

Text: Cosmo Scharmer

Diskographie

Als Leader:

  • North Atlantic tonal Organization - Brushstrokes, 2020
  • Bier/Goldsbury Quartet - "Persuasive Freedom", 2020
  • Unity5 - Live in Berlin, 2020
  • Unity6 - Rot, 2013
  • E.Bier - M.Goldsbury Group - Arteisa Sunrise, 2010
  • Ernst Bier/Sonny Fortune - "Live at the A-Trane", 2006
  • Bier/Goldsbury Quartet - "A-Live at the A-Trane", 2003
  • Bier/Goldsbury Quartet - "Next Move", 2000
  • Bier/Goldsbury Quartet - "At Night When ...", 1996
  • Just Friends - "Just Jazz", 1979

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