Hendrika Entzian

All titles have an effect through sophisticated composition and compact group sound. A mature balance between the musicians' commitment and playing style and the musical elements of rest and movement increase the appeal.

Biographie

Hendrika Entzian (* 1984 in Kiel) ist eine deutsche Jazzmusikerin.

Hendrika Entzian studierte in Hamburg, dann ab 2009 in Köln Kontrabass. Neben ihrer Beteiligung an verschiedenen Kölner Projekten legte sie zunehmend mehr Augenmerk auf Komposition, absolvierte in der Folge ein Masterstudium Jazz- Arrangement und -Komposition in Köln, das sie 2015 mit Bestnoten abgeschlossen hat.

Sie schreibt und arrangiert regelmäßig für große Besetzungen wie dem Kölner Subway Jazz Orchestra. Ihre Komposition "Weekdays" wurde beim BujazzO Kompositionswettbewerb 2016 in das Programm "Zukunftsmusik" aufgenommen.

Seit Januar 2012 arbeitet Hendrika Entzian in ihrem Quartett mit dem Saxophonisten Maxi Jagow (für den 2016 Matthew Halpin einwechselte) sowie Simon Seidl (Klavier) und Fabian Arends (Schlagzeug) zusammen.

Im Herbst 2017 war Hendrika eingeladen am Arrangers Workshop des niederländischen Metropole Orkest teilzunehmen und ein Arrangement für Gastsolistin Kandace Springs zu schreiben.

Sie gewann 2014 den 3. Preis beim Hansjürg Hensler Jazzwettbewerb. Ihre Komposition "Krance" erreichte das Finale des internationalen Kompositionswettbewerbs Katowice. Sie erhielt auch ein Jazz/Pop-Stipendium für Musikerinnen der Hochschule für Musik und Tanz Köln. 2017 wurde Entzian der WDR-Jazzpreis 2018 in der Kategorie Komposition zuerkannt, den sie am 2. Februar 2018 in Gütersloh entgegennahm.

Aktuelles Album

Hendrika Entzian + - Marble

Hendrika Entzian: compositions, arrangements, conducting

Julian Bossert - alto saxophone, flute
Theresia Philipp - alto saxophone, clarinet
Matthew Halpin - tenor & soprano saxophone
Sebastian Gille - tenor saxophone, clarinet
Heiko Bidmon - baritone saxophone, bass clarinet

Andy Haderer, Felix Meyer, Bastian Stein, Heidi Bayer - trumpet, flugelhorn
Klaus Heidenreich, Shannon Barnett, Janning Trumann - trombone
Jan Schreiner: bass trombone

Simon Seidl - piano, Fender Rhodes
Sandra Hempel - guitar
Matthias Akeo Nowak - bass
Fabian Arends - drums

2018 wurde Hendrika Entzian mit dem WDR Jazzpreis in der Sparte Komposition ausgezeichnet. Davor hatte die 1984 geborene Kontrabassistin mit dem nach ihr benannten, 2012 gegründeten Quartett zwei Alben (Turnus 2015 und Pivot 2017) bei Traumton veröffentlicht, die weithin gelobt wurden. Ralf Dombrowski hob im Jazzthing besonders Entzians Qualitäten als Bandleaderin hervor: „Tatsächlich klingt [...] in sich geschlossen und musikalisch unaufgeregt souverän. Das liegt an den Kompositionen, die die Balance zwischen improvisierender Offenheit und rahmender Struktur wahren.“ Im österreichischen Musikmagazin Concerto war zu lesen: „Einem oberflächlichen und unaufmerksamen Hörgang wird die nuancierte Eleganz [...] verschlossen bleiben. All jenen, die an pointierter, songhaft prägnant verdichteter musikalischer Intelligenz und ruhig vorgetragenem, schönem Spiel Gefallen finden können, sei die CD empfohlen.“

Album kaufen

Hendrika Entzian – Aktuelle CD Marble – Album Besprechung von Cosmo Scharmer

Das Spielen kann sie getrost den exzellenten Mitgliedern ihrer Big Band überlassen. Ihr Beitrag steckt im Komponieren, Arrangieren und Dirigieren der Musik. Das ist so viel, dass sie auf solistisches Mitwirken verzichten kann. Komposition und Arrangement sprechen für sich, sprechen für die Kontrabassistin Hendrika Entzian. Die Titel im Detail:

Weekdays
Nach knappem Gitarren- Intro legen Bläser und Rhythmiker sogleich los, wollen der raffinierten Komposition zusätzlich Licht und Leben einhauchen. Die Bläser spielen Riff-Motive, die sich mit Thema und Soli ergänzen, ja geradezu wettstreiten, um dem Thema - in einem anderen Licht, aus einer anderen Perspektive - Geltung zu verschaffen. Jedes musikalische Mittel wird ausgeschöpft, das Ganze wirkt so abwechslungsreich wie kurzweilig, dazu noch ausgereift: kurze Soli der Saxofone, noch kürzere Spitzen der Gitarre, die Big Band füllt auf, hält dagegen. Weiter geht´s mit einem ruhigen Solo der Trompete, anfangs als Ballade konzipiert, dann ausgreifender intoniert. Blech und Holz fallen schulterklopfend dem Solisten oder der Solistin in den Rücken, jedoch um sie zu stärken, voran zu treiben. Dazwischen immer mal wieder Gitarren-Akkorde und die nicht müde werdenden Bläser-Einfälle. Weekdays: das tönt nach unbeschwerten sommerlichen Wochentagen, die wie klassische Sonntage – plus Montags frei - auffrischen. Ähnliches dürfen die weiteren Titel von sich behaupten.

Pivot
Die Kompaktheit der Musik ist von Anfang an vorhanden, der Sound verdichtet sich weiter. Es wird sanfter, melodische Flötentöne springen in den Raum. Die Bläser bestimmen anfangs das Geschehen, halten sich dann zurück. Nun webt das Ensemble einen farbenfrohen Klangteppich, dessen luftige Schwere mit einer tiefgründigen Leichtigkeit eine Liaison eingeht. In diese Landschaften stößt die Posaune mit ihren solistischen Kaskaden, verschafft dem Thema weitere Erdung. Der Drummer überbrückt mit dezenter Trommelei die einzelnen Passagen. Und wieder trumpfen die Bläser auf, verdichten die Komposition zu einer traumhaften Ballade.

Limona
Ein Piano-Motiv mit Gitarren-Unterstützung schafft weite Klangräume, das Stück outet sich als etwas schräge Ballade. Der Titel nimmt Fahrt auf, wirkt energiegeladen. Die Band nimmt sich zurück, überlässt dem Sax sein ausschweifendes Solo. Gelegentlich werfen die Bläser ihre vielfältigen Klangfarben in den Ring von Limona. Das Thema kommt fast zum Stillstand. Einzelne, sparsame Fetzen einiger Blasinstrumente schwirren suchend umher. Die Motive scheinen verloren, wollen vorsichtig gefunden werden. The Rhythm Section macht ihren Job, zunächst diskret im Hintergrund, um sich dann stärker in den Fokus zu spielen. Und noch immer erzählt das Sax verschrobene Geschichten. Harmonisch gleitet Limona aus.

Marble
Das Titelstück kommt rhythmisch akzentuiert daher, von einem durchgängigen Beat von Drums und Bass getragen. Akkorde von Piano sowie Gitarre verstärken diesen gradlinigen Drive. Das Sax trägt eine Melodielinie vor, das Thema nimmt Gestalt an, unisono von den Bläsern vorgetragen. Es gibt Raum für ein längeres Statement des Soprans, dann ist wieder die ganze Big Band mit verschachtelten, ja verdrechselten Arrangements am Zug. Das Blech der Trompete nimmt sich die Freiheit, scharfe Kanten ins Thema zu schneiden, spitze Stiche in hohe Lagen zu setzen, bis zum Finale auszudehnen. Die Schlussakkorde wiederholen den Anfangspart, stakkatohaft rockt die rhythmisch Basis, die Bläser machen kurzen Prozess, aus!

Stapel
Featuring the Double Bass oder die Einführung in die Ballade obliegt dem Kontrabass. Verhalten klingt sein Solo, seine Intonation beinhaltet eine Spur melodischer Tristesse, ebenso klingen dann die Bläser. Vorsichtig entwickelt sich das Geschehen. Jetzt sind alle mit von der Partie. Thema mit Variationen auf Basis einer Ostinato-Figur. Das wirkt eingängig, ein wenig monoton, mit bewusst kokettierender Attitüde. Das „Piano-Trio“ innerhalb der Big Band sorgt dafür, dass es rhythmisch anspruchsvoller, einen Tick raffinierter wird, was solistisch vom Saxofon dankbar angenommen wird, nachdem der Pianist zuvor den Boden solistisch vorbereitete.

Peripherique
Unisono gespielte Stimmen der Bläser leiten das Thema ein, das lange in seiner Schönheit verweilen darf, bis es von dem Solo der Posaune abgelöst wird, um es offen zu interpretieren. Das Spiel der Posaune verstärkt die Kompaktheit des Titels, unterstützt seine musikalische Struktur und verleiht der warmtönenden Ballade ihren freiheitlichen Geist.

3/4 Rück
Wieder ist da diese Dichte, deren vielfältige Frequenzen den Hörer gefangen nehmen, und ihn nicht loslassen. Der Titel stellt sich rhythmisch gut gelaunt vor, das Sax darf den Anfang machen. Dann hat die ganze Big Band die Stimm- und Themenführung inne. Der vertrackte Rhythmus von ¾ Rück provoziert geradezu quirlige Gitarrenläufe. Das Solo der Gitarristin verschafft dem Titel ein - im weitesten Sinn - rockiges Gegengewicht. Die Bläser halten diese Spannungsverhältnis aus, bringen Ihre Einsätze gnadenlos auf den Punkt, treiben es auf die Spitze, um sodann wieder thematisch zu versöhnen.

Diskographie

  • Marble, 2020
  • Pivot, 2017
  • Turnus, 2015

Fotogalerie

Links

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 9?