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jazzahead! 2021: Branchenevent begeistert Jazz-Szene

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Jazzahead! 2021 Foto
Jazzahead! 2021, Foto: © M3B GmbH/Jan Rathke

Zufriedene Aussteller:innen, begeisterte Fachteilnehmer:innen, glückliche und dankbare Künstler:innen: Durchweg positive Resonanz und viel Lob gab es von allen Seiten für die jazzahead! digital 2021, die unter dem Motto „Close together from afar“ erstmals online stattfand. 902 Teilnehmer:innen aus 50 Nationen sowie 90 Aussteller:innen aus 41 Ländern nahmen von Donnerstag bis Sonntag, 29. April bis 2. Mai 2021, an der digitalen Jazz-Fachmesse teil. „Es war eine große Herausforderung und bedeutete viel Mut, die jazzahead!, die von der persönlichen Begegnung lebt, digital umzusetzen“, sagt Hans Peter Schneider, Gründer des Branchentreffs und Geschäftsführer der M3B GmbH, zu der auch die MESSE BREMEN gehört. „Diesen Mut haben wir aufgebracht. Dass wir uns das trauen konnten, ist der Unterstützung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Initiative Musik zu verdanken.“

Wir haben an dieser Messe sowohl "live" als auch "digital" teilgenommen. Hier sind unsere Eindrücke, die wir gerne mit euch teilen möchten.


Digital:

So richtig echt, so richtig zum Anfassen, kann eine digitale Veranstaltung nicht sein. Das ist objektiv unmöglich und könnte wohl nur bei Harry Potter in der Zauberschule klappen. Aber eine gefühlt Nähe überfällt uns doch. Erstaunlich, alles fühlt sich gut an, fast alles ist zum Anfassen greifbar nah, besonders die gute bis ausgezeichnete Musik.

Die jazzahead! 2021 ist keine Präsenz-Messe zum Anfassen.

Interessante Interviews, persönliche Einzel-Meetings und Gespräche verbessern ebenfalls den guten Eindruck dieser digitalen Messe. Es gibt die Möglichkeit, Fragen zu stellen und erhält Antworten. Positiver Eindruck: digitales Miteinander ist möglich, als Einzelner, als Gruppe auch über Chat und Zoom Meetings hinaus.

Die Software ist benutzerfreundlich. Kommunikation und Chats klappen hervorragend. Der Schedule, um auf dem Laufenden zu bleiben, funktioniert bestens. Die Bedienung der Plattform talque ist für einen geübten Nutzer einfach. Da funktionierte wohl alles. Klasse! Dennoch schlaucht auch eine digitale Messe ungeheuer. Man war am Abend, am „wohlverdienten“ Feierabend, so kaputt als wäre man lebendig vor Ort gewesen. Wer hätte das gedacht?

Der 1. digitale jazzahead! erhält durch die Eröffnung und Moderation einen entsprechenden Rahmen. Jeder Teilnehmer – ob digital oder analog – ist eingebunden. Für diejenigen zu Hause am Bildschirm ist das Begleitprogramm ein wichtiger Bestandteil.

Kurze Wege! Ja, die digitalen Wege sind sehr kurz und bieten viele Showcases, verschiedene Präsentationen oder Foren. Eine wunderbare Moderation von Götz Bühler, der Künstler und Publikum mit einander verbindet: die Besuche der Künstler nach ihren Auftritten, die Gespräche über ihre Musik oder auch Diskussionsrunden.

Als einzige nicht live dabei zu sein, das ist das vorherrschende Gefühl. Verwunderung, dass die Gesprächspartner sich ebenfalls in privaten Räumen befinden. Erkenntnis: so gut wie niemand ist vor Ort.

Was fehlt ist die andere Art der Zusammengehörigkeit nämlich das Stimmungsbarometer, die Neuheitenbörse, zwischenmenschliche Leichtigkeit, zufällige Begegnungen... Was zwischen den Zeilen erfahren wird, kann ein gut geplanter Informationsaustausch nicht ersetzen und wird bei der jazzahead! 2022 nachgeholt!

Eins muss noch gesagt werden: Der Kaffee schmeckt nicht! Nee, echt nicht. Und die belegten Brötchen sind auch nicht so gut wie früher. Aber das ist Meckern auf hohem Niveau. So freuen wir uns auf guten Kaffee, leckere Brötchen und die ausgezeichnete Musik, die wir bei der nächsten jazzahead! bekommen werden. Da sind wir uns sicher. Vor Ort in Bremen, dann ganz real zum Anhören, Angucken oder gar „Anfassen“ aller Dinge.


Analog – ein Bericht von Rainer Ortag der persönlich vor Ort sein durfte.

In der ÖVB-Arena finden die Eröffnung mit der Markus Stockhausen Group sowie die 12 live Konzerte des "European Jazz Meeting" und der "German Jazz Expo" statt.

Es gibt eine eigene Teststation für jazzahead! In diesen dunklen Zeiten ist das ein Vorzug. Faktum: alle Menschen - ob Techniker, Artisten, Organisatoren oder Journalisten sind mit dem Test dabei als Eintrittskarte für die Arena. Es bedeutet – wie die Masken - eine gewisse Sicherheit.

Nach Ende jedes Konzerts erstürmen Techniker die Bühne, alle schwarz gekleidet mit weißer FFP2-Maske – das coole Outfit der dunklen Zeit. Sie zerlegen alles: Schlagzeug, Piano, Mikrofone, Notenständer... alles muss weg oder ist neu zu ordnen. Alles nur mit Bühnenlicht, die Halle bleibt unbeeindruckt dunkel. Die nächste Band . Alles so normal wie immer. Da fehlt was. Und das, was da fehlt, ist das schmerzlich vermisste Publikum.

Hier wirkt alles unglaublich. Es ist stockduster, nur die Bühne hell erleuchtet. Wenige Musiker sind mit dem Sound-Check beschäftigt. Es ist postapokalyptisch. Das gemeine Volk gibt es nicht mehr. Den Besuchern wird durch ein digitales System eine inszenierte Welt mit Unterhaltung präsentiert.

Nach jedem Konzert werden die Musiker abgeführt und zum anschließenden Live-Interview geleitet sein. Wieder perfekt von der jazzahead! organisiert, werden die Akteure durch verschlungene Pfade der Messehallen zum TV-Studio gebracht.

Nachts dann zum Hotel mit dem Passierschein der Messe, der besagt, dass man nach 22:00 Uhr beruflich unterwegs auf der Straße sein darf. Welche Ehre.

Samstag ist der stärkste Tag mit 6 Showcases. Weitere Konzerte oder the Show Must Go On KAMA Kollektiv, Tilo Weber, True Harry Nulz... Einer von ihnen steht auf der Bühne und sagt inhaltlich folgendes:
Wir haben uns seit über einem Jahr nicht mehr gesehen, natürlich auch nicht zusammen gespielt. Wir fühlen uns wie ein Haufen Hortkinder, die nach einem Jahr der Enge wieder auf den Spielplatz dürfen! Ihre Freude am Spielen beweist es! Backstage war eine laute Session von Perkussionisten und Drummern im Gange, Pierre Demange von Nefertiti und ein weiterer Perkussionist - wohl von Harry Nulz - waren nicht zu bremsen.

Am Samstag moderiert Ulrich Beckerhoff. Tobias Meinhart steht mit Band auf der Bühne, alle wollen spielen. Durch diverse Verzögerungen können sie erst später anfangen. Das Warten lohnt sich. Die Musik, die sich die Arena gerade erobert ist umwerfend!! Ein schlanker, junger Mann mit Hut, voll konzentriert, dabei unaufgeregt, spielt ein wunderbares Tenor-Saxophon. Hier und jetzt ist eine ausgezeichnete Musik zu erleben und das auch noch live!

Es waren sehr seltsame wie wunderbare Tage in Bremen. Mit vielen neuen Gesprächspartnern, sehr vielen Fotos, mit toller Musik. Es war jede Minute wert.

Über die jazzahead!

Die 2006 gestartete jazzahead! ist die größte Jazz-Fachmesse der Welt. Stetig gewachsen gilt der Branchentreff auch als „Familientreffen des Jazz“, da er seinen familiären Charakter nie verloren hat. Die 40 Showcase-Konzerte im Rahmen der Messe und das jazzahead! Festival wenden sich auch an das breite Publikum. Seit 2011 stellt dieses Festival zusammen mit rund 60 Kooperationspartnern die Kulturszene eines jährlich wechselnden Partnerlandes und Bands aus aller Welt im Rahmen der CLUBNIGHT vor, an der sich rund 30 Spielstätten in Bremen jährlich beteiligen. Seit 2015 wird die jazzahead! aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. 2019 wurde sie als Europäische Kulturmarke des Jahres ausgezeichnet.

https://jazzahead.de/

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