Keno Harriehausen Quartet

Keno Harriehausen Quartet Photo
Keno Harriehausen Quartet, Photo: Yat Ho Tsang

Biographie

Keno Harriehausen (* 1988 in Hamburg) ist ein deutscher Jazzmusiker (Piano, Komposition).

Was ist ein Ensemble? Eine Gruppe von Individuen, bei der jede Stimme so klar wie möglich herausgearbeitet wird, um die Summe der Einzelleistungen hörbar zu machen? Oder ist es im Gegenteil ein fest gefügter Körper von Musikern, in dem wie bei einem Sinfonieorchester eben jene Summe der Einzelleistungen nur im Gesamtklang aufgeht? Die Wahrheit liegt nicht wie so oft in der Mitte, sondern umfasst beide Aspekte in Gänze. Das Keno Harriehausen Quartet ist ein überaus lebendiges Beispiel für ein Ensemble, bei dem Mehrschichtigkeit aus der Summe der einzelnen Stimmen und des Ganzen als unteilbare Einheit bestens funktioniert.

Pianist Keno Harriehausen, Saxofonist Karlis Auzins, Cellistin Maya Fridman und Bassist Andris Meinig spielen nicht lange um den heißen Brei herum. Vom ersten Ton machen sie deutlich, um was es hier geht. Subtile Wucht paart sich mit eindringlicher Klarheit. Diese Musik packt zu, mit jedem Ton, jedem Atemzug, jeder Bewegung. Sie hält sich nicht raus, bleibt nicht neutral, begnügt sich nicht mit dem Hintergrund. Keno Harriehausen und seine Gespielen aus Deutschland, Russland und Lettland nehmen sich die Freiheit, den Hörer im positivsten Sinne bis an die Grenzen der Zudringlichkeit zu vereinnahmen.

Die Besetzung allein zeugt schon von der Ungewöhnlichkeit der Band. Mit Tenorsaxofon, Cello, Kontrabass und Klavier erinnert die Kombination eher an ein modernes Kammer-Ensemble als an eine Jazz-Band. Aber an eingespielten Jazz-Formaten ist der Pianist und Komponist auch gar nicht interessiert. Mehr als sechzig Jahre ist es her, dass der amerikanische Komponist, Dirigent und Musiktheoretiker Gunter Schuller in seinen Thesen zum so genannten Third Stream forderte, aus der Kombination von Jazz und Klassik solle kein Jazz mit Klassik und keine Klassik mit Jazz entstehen, sondern eine eigenständige Musik, die sich frei macht von gängigen Reflexen. Woran Schuller selbst auf hohem Niveau gescheitert ist, das findet man bei Harriehausen auf geradezu magische Weise eingelöst. Die Musik erinnert an Momente von Schostakovitsch, Reger und Ravel, aber auch an große Augenblicke des amerikanischen Free Jazz und der skandinavischen Klangfarbenfindung. All diese Referenzen verlieren sich jedoch in der Vehemenz des aktuell Gespielten und in der zwingenden Verantwortung gegenüber jedem einzelnen Ton.

Um an diesen Punkt zu gelangen, ist Harriehausen weit gewandert. Er hat in Amsterdam, Trondheim und Kopenhagen gelebt und überall mit Klangfarben, Strukturen und Übersetzungen experimentiert. Die Besetzung seines Quartetts hat sich mehrfach verändert. Ursprünglich war statt der Cellistin ein Schlagzeuger an Bord. „Es hatte auf Anhieb zwischen uns gefunkt, und wir stellten gar nicht infrage, was wir da machten", erinnert sich Harriehausen. „Bei den Melodien hatte ich jedoch immer das Gefühl, dass sich der klassische europäische Aspekt noch besser ausdrücken ließe. Das Cello war für mich das perfekte Streichinstrument, weil es diese Schwere und Dramatik hat."

Was Harriehausen über viele Jahre im Norden Europas ausgesät hat, geht nun in Leipzig auf. Es mag an dem nordischen Einschlag liegen, dass Harriehausens Kompositionen immer ein wenig wie in Klang gegossene Landschaftsmalerei wirken. Diese gedachten Landschaften erstrecken sich jedoch nicht nur vor dem assoziierenden Auge, sondern der Blick richtet sich auch nach Innen. „ Unabhängig von aktuellen Trends ist mir diese Perspektive sehr wichtig, so Harriehausen. Es kommt mir darauf an, mit mir selbst in Kontakt zu sein. Mein Ziel ist eine Musik, die den Hörerinnen und Hörern ein noch tieferes Empfinden des Augenblicks ermöglicht.“

Aktuelles Album

Keno Harriehausen Quartet - Same

Keno Harriehausen Quartet - Same

Karlis Auzins (LV): saxophone
Oda Mathilde (NOR): violoncello
Andris Meinig (DE): double bass
Keno Harriehausen (DE) - piano & composition

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Das Keno Harriehausen Ensemble schafft eine Klangwelt zwischen hingebungsvoller, lebendiger Jazz Improvisation und einer musikalisch-kompositorischen Sprache die tief in der europäischen Kultur verwurzelt ist. Von Ravel zu Jan Johansson; von Schostakowitsch zu Gabarek.

Ursprünglich als klassische Jazz Quartett Besetzung mit Saxophon, Piano, Kontrabass und Schlagzeug in Amsterdam gegründet, war es die gemeinsame Faszination für die Kraft und Energie, die im Moment improvisierter Musik entstehen kann, welche das Quartett zusammenführte. Mit diesem von John Coltrane und Keith Jarrett inspirierten Sound gewann das Quartett mehrere Wettbewerbe in Belgien und den Niederlanden (international Zeeland Jazz Award, Ujazz Award, Mechelen Jazz Contest, Sena Jazzprijs). Nach einigen Jahren zog es den Saxophonisten Karlis Auzins und Pianisten Keno Harriehausen weiter Richtung Norden, nach Kopenhagen und Trondheim.

Dort setzten sie sich intensiv mit skandinavischem Jazz, improvisierter Musik und den eigenen europäischen Wurzeln auseinander. Das Bedürfnis nach einem stärker in der eigenen europäischen Kultur verankerten Ausdruck trat in den Vordergrund, der sich in einer fast kammermusikalischen Besetzung fand. An die Stelle des Schlagzeugers aus den USA trat die Cellistin aus Norwegen und der Bandsound zwischen Jazz und Klassik, Saxophon und Cello, voller Leben und subtiler Intimität entwickelte sich.
Lakeland Records

Diskographie

  • Keno Harriehausen Quartet: Same, 2019 (Debut)

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