Ruben Gianotti

A top-class ensemble, founded by Ruben Giannotti. At the centre is the fragment suite for big band, in which the composer has intensively dealt with changes of perspective in sound production (electronic, instrumental).

Biographie

Ruben Giannotti ist ein deutscher Jazzmusiker.

Ruben Giannotti, Jahrgang 1989, besuchte die Universität der Künste und die Hochschule für Musik "Hanns Eisler" in Berlin bis zum Masterabschluss 2018. In den Fächern Komposition waren seine Professoren Maria Baptist und Jörg Mainka, bei Elektronik war Eres Holz sein Lehrmeister. Theorie konnte er bei den Professoren Jürgen Ganzer und Hartmut Fladt studieren. Es folgten private Studien der Trompete mit Gerard Presencer.

Der Schwerunkt seiner musikalischen Aktivitäten gilt der Trompete. Zunächst als Mitglied des Berliner Jugend-Jazz-Orchesters und diverser Hochschulbigbands. Ruben war Gründungsmitglied des Maria Baptist Orchestra und damit startete er sein professionelles Engagement. In diesen Kontext gehört auch sein Mitwirken im Berlin Cool Jazz Project als Leadtrompeter und Solist. Vorrangig in der Berliner Szene aktiv, spielt er im Composers Orchestra Berlin und weiteren lokalen Big Bands und darüber hinaus: Fine Arts Big Band, Omniversal Earkestrta uvm. Tourneen führten ihn durch den deutschsprachigen Raum.

Während seines Musikmachens hatte er die Möglichkeit mit folgenden hervorragenden Musiker*innen zusammenzuarbeiten, die als Bandleader, Dirigenten und Solisten wirken: Maria Baptist, David Beecroft, Greg Bowen, Michael Betzner-Brandt, Dan Collette, Pierre Dørge, Caro Emerald, Mats Holmquist, Julia Hülsmann, Niels Klein, Geoffroy de Masure, Norbert Nagel, Claus Reichstaller, Alexander v. Schlippenbach, Frank Strobel, Peter Tenner, Gebhard Ullmann, Peter Weniger und Jiggs Whigham.

Als Komponist arbeitet Ruben Giannotti an der Schnittstelle zwischen Neuer Musik, Jazz und populärer Musik. Für diese Genres schreibend verwirklicht er zahlreiche eigene Projekte: sein Ensemble oprheus III, sämtliche Bigband-Projekte, in denen er auch als Instrumentalist mitwirkt, die Sächsische Bläserphilharmonie, die Komische Oper Berlin. Aktuell komponiert Ruben Giannotti für die - in Deutschland lebende - weißrussische Pianistin Elena Bregman Themen für solistisches Klavier sowie Kammermusik für diverse Ensembles. Weiterhin schreibt er Arrangements und Kompositionen für Twelvetetts und Big Bands, die auf seiner jüngsten CD "fragment" - erschienen bei STOA Records - zu hören sind.

Werkeverzeichnis:
op. 1 Sleepin' Beecroft (Big Band), op. 2 Suite #1 für Quintett, op. 3 Phantasiestück für Klarinette und Pianoforte, op. 4 wind.raum (Ensemble und Elektronik), op. 5 ruine (Big Band), op. 6 vaermeland (Big Band), op. 7 Checkpoint Charlie (Big Band), op. 8 Neun Lieder ohne Worte über die Märchen von Oscar Wilde (Ensemble), op. 9 Antigone (Klarinette und Streichquartett), op. 10 Prometheus (Symphonisches Blasorchester), op. 11 Peter And His Wicked Gang (Big Band), op. 12 Fünf frühe Lieder (Ensemble), op. 13 fragment #3 (Big Band), op. 14 Tema con variazioni für sechs Bläser, op. 15 Der Künstler (Sprecherin und 10 Instrumente), op. 16 Deucalion und Pyrrha (Symphonisches Blasorchester), op. 17 Passacaglia ed extroduzione (4 Instrumente), op. 18 Drei Melodramen über Texte von Albert Giraud (Ensemble), op. 19 Waldspaziergang (Stimme und 5 Instrumente), op. 20 fragment #2 (Big Band), op. 21 La valle giovane (Orchester), op. 22 pravda 13.1-2 (Orchester), op. 23 jenissei (Twelvetett), op. 24 fragment #1 (Big Band)

Ruben Giannotti im Maria Baptist Orchestra
Es kann davon ausgegangen werden, dass Ruben Giannotti zahlreiche musikalische Erfahrung in der klanggewaltigen Big Band der Berliner Pianistin Maria Baptist erwerben konnte. Die Musik, die Ruben in seinem eigenem Projekt zum Klingen erweckt, wirkt anders als der Sound des MB-Orchestra, aber zwei Merkmale ähneln sich stark, sind nicht zu überhören. Das sind die ausgereiften Kompositionen und die raffinierten Arrangements. Beides findet sich in diesen Orchestern, beides definiert zeitgenössischen Big Band Sound.

Ruben Giannotti in der Band von Anna Margolina
Aber Ruben bläst nicht nur Trompete und Flügelhorn, sondern er schlägt auch die Tasten des Pianos in erstaunlicher Weise. Seine pianistischen Aktivitäten waren (und sind hoffentlich bald wieder) in den Konzerten der Vokalistin Anna Margolina gut zu erleben. Ein Auszug aus dem Konzertbericht vom Mai 2019:
„Die 1. Überraschung vorneweg: am Piano nimmt Ruben Giannotti Platz, der nicht nur die Absicht erkennen lässt, spielen zu wollen, sondern dies auch tut. Überraschung insofern, da Ruben Giannotti dem Autor als versierter Trompeter bekannt ist, der die Musik der Berliner Big Band von Maria Baptist im Satz prägt und den Sound durch seine ausgezeichneten Soli bereichert. Jetzt sitzt dieser Trompeter am Piano und spielt wie es sich für einen Jazzpianisten im „Hauptberuf“ gehört: klassisch swingend, ohne Fehl und Tadel, mit Empathie … das schlagende Herz dieses Konzertes kommt aus dem Piano von Ruben Giannotti, der - wie die Sängerin erläutert - alle Arrangements geschrieben hat. Der Sound bewegt sich im Spannungsverhältnis zwischen einem Piano-Trio mit gesanglicher Unterstützung und dem Quartett einer Vokalistin, die sich der Hilfe des Pianos bedient. Beides ist hier gegeben und beide Pole wechseln sich - ziemlich gerecht verteilt - in der Stimm- und Melodieführung ab.“

Ruben Giannotti - jazz orchestra
Das hochkarätig besetzte Ensemble wurde 2019 von Ruben Giannotti ins Leben gerufen. Im Zentrum dessen steht die fragment-Suite für Big Band, in der sich der Komponist intensiv mit Perspektivwechseln und der Beziehung zwischen der elektronischen und händischen instrumentalen Tonerzeugung beschäftigt hat. Das Resultat ist ein organisches Gemenge aus "klassischen" Big-Band-Topoi, Beats, Samples und generativen Automaten - die sich in jeder Schicht entfalten und nicht eineindeutig auf bestimmte Bereiche beschränkt werden.

Mit seinem Debutalbum stellt das ruben giannotti_ jazz orchestra die Kombination von Jazz, Groove und Elektronik aus einem frischen kompositorischen Blickwinkel dar: dem eines Beat-Produzenten. Diese spezielle Symbiose von Jazz-Tradition und elektronischer Musik, umgesetzt mit einer herausragenden Bandformation, platziert der Komponist Ruben Giannotti in der modernen Big-Band-Welt, um sie einer möglichst breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Bereits in seinen vorangegangenen Projekten hat sich Ruben Giannotti als Grenzgänger zwischen den Genres elektronischen Klängen, Beatstrukturen und der Avantgardezugewandt und bringt seine Ideen nun in einem Studioalbum zusammen, das sechs Eigenkompositionen und eine graziöse Bearbeitung von Wayne ShortersAna Maria vorstellt. Zuweilen zeigt sich hier der farbverliebte Impressionist, wie inruine, der den Kontrapunkt bis an die Grenzen der Tonalität führt. An anderer Stelle (serpent) treffen Elemente der Alten und Neuen Musik radikal aufeinander.Vaermeland setzt wiederum mit seinem folkloristischen Ton einen intermediären Ruhepol. Das Album birgt Unvorhersehbares und resoniert, ohne mit der Tradition zu brechen, mit den Hörgewohnheiten von heute –womöglich auch mit denen von morgen.

Ruben Giannotti erläutert dazu:
Fragmentarisch sind immer die einzelnen Bestandteile einer Ästhetik. Speziell diese Kompilation ist ebenso fragmentarisch bezogen auf die Auswahl aus meinem Œvrefür Big Band.fragment ist also eine Menge von vier Momentaufnahmen, die den Umgang mit Big Band aus meinem sehr persönlichen Blickwinkel langjähriger Vertiefung in und Hingabe zu diese(r) spezielle(n) Art des Jazz zeigen. Subkutan liegt unter der gesamten oben getroffenen Auswahl das hoffentlich immer deutlich erkennbare (musikalische) Politikum, dass kunstvolle Musik bewegen und Spaß machen darf, während womöglich auch umgekehrt bewegende Musik, die Spaß bereitet, in ihrer Faktur ebenso kunstvoll sein sollte.

Aktuelles Album

ruben giannotti_jazz orchestra - fragment

Philipp Gerschlauer - Sopran-, Altsaxophon, Flöte
Eldar Tsalikov - Altsaxophon, Klarinette, Flöte
Peter Ehwald - Tenorsaxophon, Klarinette
Finn Wiesner - Tenorsaxophon, Klarinette, Flöte
Tini Thomsen - Baritonsaxophon, Bassklarinette
Tobias Weidinger - Trompete, Flügelhorn
Nicolas Boysen - Trompete, Flügelhorn
Johannes Böhmer - Trompete, Flügelhorn
Florian Menzel - Trompete, Flügelhorn
Simon Harrer - Posaune
Janning Trumann - Posaune
Johannes Lauer - Posaune
Felix Konradt - Bassposaune
Maria Baptist - Klavier, Rhodes
Attila Muehl - Gitarre
Matthias Eichhorn - Bass
Fabian Rösch - Schlagzeug
Ruben Giannotti - Elektronik, Trompete

Das hochkarätig besetzte Ensemble wurde 2019 von Ruben Giannotti ins Leben gerufen. Im Zentrum der Debut-Produktion steht die fragment Suite für Big Band, in der sich der Komponist intensiv mit Perspektivwechseln und der Beziehung zwischen der elektronischen und händischen instrumentalen Tonerzeugung beschäftigt hat. Das Resultat ist ein organisches Gemenge aus klassischen Big-Band-Topoi, Beats, Samples und generativen Automaten, die sich in jeder Schicht entfalten und nicht eineindeutig auf bestimmte Bereiche beschränkt werden.

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ruben giannotti_jazz orchestra - fragment - Album Besprechung von Cosmo Scharmer

Fragment 1
Rhythmisch akzentuiert geht´s los, langsam schält sich das Thema heraus. Ein gerader rockiger Beat liefert die Basis für die fulminanten Bläser, die das Thema ebenso eindringlich wie subtil mit ihren verschachtelten Sätzen umgarnen, ja einwickeln. Scharfe Einsätze der Bläser, durchlaufender Beat von Drums und Bass und Wechsel zwischen thematischen Teilen und den Soli (Alt, Posaune) charakterisieren dieses Fragment.

Fragment 2
Der 2. Titel ist noch rhythmisch betonter als sein Vorgänger: durchgeschlagener Beat, einfach gehalten. Darüber tönt ein Trompetensolo, lyrisch und balladesk bildet es den Gegensatz zur simplen Rock-Figur. Das Stück lebt von seinen Gegensätzen. Ein voluminöses Solo der Bassklarinette erspielt sich einfühlende Wärme, setzt musikalische Gegenpole zur knappen rhythmischen Basis. In dieses Spannungsfeld fallen die Bläser ein, gleichen harmonisch aus und vermitteln zwischen den Spannungspolen. Ungemein kurzweilig.

Fragment 3
Auch das 3. Fragment geht mit Schlagzeug und Bass sparsam um. Die hinzukommenden Bläser pusten vollmundig ins Thema, schaffen derart eine filigrane Vielschichtigkeit, während ein E-Piano mit elektrischer Spielerei dagegen anzuboxen versucht. Die Bläser schrauben sich in hohe Lagen empor, setzen spitze Nadelstiche ins Geschehen. Das Posaunen-Solo belebt die tieferen Frequenzen, schafft jazzige Erdung, sorgt für die erforderliche Emotionalität des Ganzen. Holz- und Blechbläser können es nicht lassen. Stets mischen sie sich ein, drängeln sich zwischen Thema und Solo, können von ihren zahlreichen Einsätzen nicht genug kriegen. Ab und zu meldet sich eine dunkle Stimme zu Wort, die nicht reden, sondern nur was sagen will.

Serpent
Es fängt an mit einem Solo der Trompete. Behutsam kommen andere Farbtupfer hinzu, es bleibt in ruhiger Stimmung, ein kompakter Ensemble-Sound voller Ruhe. Zum Gegensatz schlägt die Pianisten Maria Baptist auf die Tasten, gibt Rhythmus wie Thema vor. Jetzt wollen auch alle anderen Stimmen dabei sein, Gruppen-Sound a la Big Band, leicht schräg und verschmitzt, kollektive Entfaltung der einzelnen Klangfarben - mir kommen Assoziationen an das skurrile Willem Breuker Kollektief in den Sinn – gleicher Humor, feine Ironie, gleicher musikalischer Esprit. Dann das Solo des Pianos, das souverän ins Geschehen eingreift, mit Monk´schen Schalk im Nacken, jedoch tiefsinniger, es wird stetig schräger …. bis die Bläser die schiefe musikalische Bahn wieder ins Lot rücken. Da ist wieder diese Stimme aus dem Off…

Ruine
Die Klarinette legt thematisch los, Drums und Bass ziehen nach, jetzt stärker swingend, mehr Drive. Das Solo der Klarinette wirkt hier als Kontrapunkt, schillernde Tupfer, unbändig, hemmungslos. Der Rest des Orchestra` swingt munter weiter, klassischer Big Band Sound. In diese Klänge stößt das Solo der Gitarre, treibend und solange insistierend bis die Bläser mit ihren gnadenlosen Einsätzen wieder den Ton angeben, ihnen die Luft ausgeht und das Stück ausklingen darf. That´s contemporary Big Band Sound!

Vaermeland
Getragener Auftakt der Band, Verdichtung aller Stimmen. Aus dieser dichten Stille ertönen einzelne Saxofonstimmen. Das Sopran übernimmt das Solo, startet ruhig, verhalten, erhält dann viel Raum und Zeit für die Entfaltung seiner Improvisationen. Das wird gelegentlich von den übrigen Bläsern unterstützt. Vorsichtig auch die Drums, ja nichts zerdeppern … eine gefühlvolle Stimmung macht sich in dieser Ballade breit, in die das Solo der Trompete seine Farben malt. Das Sopran hat noch viele Ideen in seinem Korpus, die alle raus wollen. Ebenso die ganze Band, die diese Ballade mit ihren Stimmen ausschmückt. Noch mal das Horn. Was dem Solo des Sax gut und teuer war, ist dem Blech recht und billig. Und erst dem ganzen Orchestra. Aber Ausklingen darf der Titel dann durch sanfte Gitarrenklänge.

Ana Maria
Alle Sequenzen, die die vorigen Titel charakterisieren finden sich auch hier. Thema, Bläsersätze, Solostimmen - hier Tenorsax - und alles kreuz und quer und von vorne, nur linksherum. Der zurückhaltende Beat der Anfangstakte kommt lässig ins Swingen, um bald darauf wieder in den Hintergrund zu treten, um den Solostimmen ihren Raum zu lassen. Ein sehr dem Gruppen-Sound dienliche Spielweise von Schlagzeug und Bass. Für den Ausklang des Titels sorgen dann wieder die Bläser, die das Thema verdichten, energisch auf die Spitze treiben, um es dann sanft ausgleiten zu lassen. Kurz und gut: Im Jazz Orchestra von Ruben Giannotti ist alles enthalten, was exzellenten zeitgenössischen Big Band Sound auszeichnet.

Diskographie

  • fragment, 2019

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