Vincent Glanzmann: Uassyn

Uassyn Photo
Uassyn, Photo: Dovile Sermokas

Biographie

Vincent Glanzmann ist ein Schweizer Jazzmusiker.

Der in Zürich (CH) wohnhafte Sound-Artist und Schlagzeuger ist als Performer und Komponist in einer Vielzahl Kollaborationen mit Künstlern unterschiedlicher Sparten tätig. Seine verspielte Art konzeptuell zu arbeiten macht ihn zu einem aktiven Teil der progressiven Musik- und Soundartszene. Mit seiner unverkennbaren Klanglichkeit, Energie und kommunikativen Spielweise, welche oft Präparationen und alternative Techniken beinhaltet, vermag er mit einem breiten Spektrum von Künstlern aus der kontemporären Musik-, Film-, Kunst-, Tanz, Fashion- und Literaturwelt zu kooperieren.

Speziell interessiert ist er an den Möglichkeiten der Perkussions-Musik. Prominentestes Beispiel dafür ist seine langjährige Arbeit mit dem New Yorker Schlagzeuger Gerry Hemingway. Eine Kollaboration, die nahe mit Glanzmanns elektro-akustischer Solo Tätigkeit in Verbingung steht. In dieser interessiert ihn primär das Kultivieren einer persönlichen und intimen musikalischen Sprache sowie das Integrieren kompositorischer und performativer Aspekte. 2018 releaste er sein zweites Solo Album Z/Rzw-Shiiiiiii.

Ein weiteres seiner Interessen gilt der Arbeit mit Tanz. So erarbeitete er diverse Kompositionen für kontemporäre Tanz Ensembles und Ballette in Deutschland und der Schweiz. Vier davon entwickelte er in Kollaboration mit dem Berliner Choreographen Georg Reischl.

2012 schloss er den Master of Arts in Music, Performance Jazz an der Hochschule für Musik Luzern ab und ist seither als Freelancer und selbständiger Künstler in Europa tätig. Im Dezember 2016 war er „Artist in Residence“ im Jazzclub Moods Zürich und wurde 2017 mit dem "Werkjahr" der Stadt Zürich geehrt.

Neben seines Engagements im Vorstand des Moods Clubs Zürich engagiert er sich ausserdem auch ehrenamtlich im Moods Musiker*innen Rat. Des Weiteren ist er ein Mitglied der multifunktionalen Organisation Through States of Matter, war Mitveranstalter der Zürcher Konzertreihe Seismogram sowie im Beirat des Unerhört Festivals tätig. In diesen Zusammenhängen ist es ihm wichtig progressive, Schweizer Musiker zu unterstützen und ihnen Plattformen zu bieten.

Aktuelles Album

UASSYN – Zacharya

UASSYN – Zacharya

Alles außer gewöhnlich - so könnte das Motto des jungen Schweizer Trios Uassyn lauten. Denn obwohl die Band in der Besetzung Saxofon, Bass und Schlagzeug antritt, die in der Jazzgeschichte eine lange Tradition hat, klingt sie alles andere als traditionalistisch. Das liegt an den ungewöhnlichen Patterns, die Schlagzeuger Vincent Glanzmann trommelt, an dem stetigen Bass, den Silvan Jeger zupft und an dem eigen- und einzigartigen Sound, den Tapiwa Svosve aus seinem Altsaxofon herausholt.

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„Die Besetzung ist uns gar nicht so wichtig“, sagt Glanzmann, „wir definieren uns eher über unsere Persönlichkeiten. Es geht um den Klangkörper, der generiert wird - der hat etwas Warmes und Rundes.“
Damit trifft er den Nagel auf den Kopf, denn obwohl Uassyn eindeutig der eher avantgardistischen Seite des Jazz zuzuordnen sind, klingen sie alles andere als abstrakt oder gar kopflastig. Und sie haben lange an ihrem gemeinsamen Klang gearbeitet - seit fünf Jahren ist das Trio bereits zusammen.

„Wir kennen uns aus der Zürcher Jazzszene“, erzählt Glanzmann. „Zuerst habe ich mit Silvan gespielt. Wir hatten viele Ideen und haben auf die richtige dritte Person gewartet. Dann kam Tapiwa.“

Sie selbst bezeichnen ihre Musik als Skater-Jazz, die sie in den ersten zwei Jahren im Probenraum versucht haben, auf den Punkt zu bringen. „Wir versuchen mit dieser Jazz-Klanglichkeit durch andere Denkansätze zu einem Resultat zu kommen“, führt Glanzmann aus. „Das Bild vom Skater erschien uns da ganz passend. Wenn man das Brett nimmt und raus geht, Kurven fährt und Tricks macht, ist das ein Weg, sich selbst zu spüren. Auf diese Art und Weise versuchen wir auch unsere Instrumente zu spielen.“

Das Instrument nehmen und raus gehen, das erschien Uassyn als nächster Schritt angemessen. Neben Tourneen im In- und Ausland - Polen, Litauen und Deutschland standen schon auf dem Tourplan - haben sie für sich eine ganz besondere Auftrittsform entdeckt, die viel mit ihrer Heimatstadt Zürich zu tun hat.

„Bei unseren Skater-Sessions haben wir im öffentlichen Raum gespielt“, schildert Glanzmann diese ungewöhnliche Erfahrung. „In Zürich gehört jeder Quadratmeter jemandem, da ist es schwer, einen Platz zu finden. Nur der Proberaum oder der Club ist für uns erlaubt. Wir haben uns also für jeweils ein Stück irgendwo aufgebaut - vielleicht analog zur Street Art -, um die Stadt für uns einzunehmen.“

Der unmittelbare Kontakt zu einem zufälligen Publikum hat ihre Musik geformt, ohne dass Uassyn dabei Kompromisse eingegangen sind. Dabei hat die spezielle Situation bei den drei Musikern dazu geführt, ganz genau auf ihre Mitstreiter einzugehen und ihre seltsam anstrengungslos erscheinende Klanggewalt zu fokussieren.

„Im Nachhinein hatten wir schon das Gefühl, dass uns der Platz auf eine komische Art gehört“, kann sich Glanzmann noch gut erinnern. „Wir haben ohne Verstärker gespielt, die Alkoholiker haben mitgesungen, die meisten Menschen haben uns eher aus der Ferne zugeschaut. Die, die auf einem Fahrrad da waren, sind uns noch am nächsten gekommen, vielleicht, weil sie wussten, dass sie schnell wieder weg konnten.“

Nun gehen Uassyn den nächsten fälligen Schritt und haben mit „Zacharya“ ihr Debüt-Album für die 87. Folge von Jazz thing Next Generation eingespielt. Ihre Musik, die einer eigenen Sprache gleicht - weshalb der Bandname auch ein selbst erfundenes Kunstwort ist -, birst dabei vor Energie und Vitalität, hat aber auch viel Platz für zärtliche und balladeske Momente. Ihre Songs wirken hypnotisch und leben von einer eindringlichen Beat-Lastigkeit und machen sich gerade dadurch die Freiheit, die der Jazz verspricht, zunutze. Die Fremdheit, die ihre Musik ausstrahlt, setzt sich in den Songtiteln - „Dji-ut“, „Mmoosh“ oder „Kheretem“ fort.

„‚Kheretem‘ setzt sich aus den Namen ägyptischer Götter zusammen“, erläutert Glanzmann. „Ansonsten versuchen wir, mit dem Titel das Gefühl des Stücks zum Ausdruck zu bringen: Wie ein Bild, bei dem man statt Farben Buchstaben benutzt.“

Diskographie

  • UASSYN – Zacharya, Double Moon Records 2021
  • Vincent Glanzmann & Gerry Hemingway - Composition O, Fundacja Słuchaj 2020
  • Vincent Glanzmann – (h)ruof, Theater Kiel (DE), Online release 2019
  • Vincent Glanzmann – Z/Rzw-Shiiiiiii, Through States of Matter 2018
  • Vincent Glanzmann – ho tape, Goudmaker records 2015

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