Bodek Janke

Bodek Janke Photo
Bodek Janke, Photo: Joanna Wizmur

Biographie

Bodek Janke (* 1979 in Polen, Warschau) ist ein deutscher Jazzmusiker mit polnisch-russischen Wurzeln.

Meister der vielen (Klang)Dialekte
Bodek Janke ist heute einer der gefragtesten Schlagzeuger und Perkussionisten der internationalen Jazz- und Weltmusikszene. Seine einzigartige und herausragende Art, Schlagzeug, indische Tabla und verschiedene Perkussionsinstrumente zu spielen, hat ihm die Möglichkeit gegeben, mit vielen zusammenzuarbeiten: Yo-Yo Ma, Lars Danielsson, Bill Evans, Bobo Stenson, Leszek Możdżer, Gilad Hekselman, Nuria Rial, den WDR, NDR & HR Radio Bigbands, Jasper van't Hof, Kinan Azmeh, Kristjan Randalu, Petros Klampanis, Tarek Yamani, dem Turtle Island & Atom String Quartets.

Von der New Yorker Schlagzeuglegende John Riley als "Meister vieler Dialekte" bezeichnet, wurde Bodeks unverwechselbarer Sound auf mehr als 200 Alben als Sideman aufgenommen. Zudem hat er 10 Alben unter seinem eigenen Namen aufgenommen.

Sein aktuelles Quartett SONG, dessen erste Aufnahme 2019 erscheint, hat bereits ein internationales Publikum begeistert. Das zweite Album, SONG2, wurde im Februar 2020 veröffentlicht. Herausgestellt werden die namibische Sängerin Shishani Vranckx, der estnische Pianist Kristjan Randalu, der britische Bassist Philip Donkin, das Atom String Quartet aus Polen, sowie Gastauftritte des Saxophonisten Bill Evans, des Gitarristen Gilad Hekselman und des Trompeters Sebastian Studnitzky.

Zusätzlich zu seinen Reisen und seiner Arbeit als Musiker, schreibt Bodek Musik für große Ensembles und Orchester. Ein Ausschnitt aus seinem ersten symphonischen Werk The Mantra Suite wurde im März 2019 in Almaty, Kasachstan, uraufgeführt und von der Kritik gefeiert.

Biografie / Ausgewählte Auszeichnungen
In eine polnisch-russische Musikerfamilie hineingeboren, war es für Bodek schon früh naheliegend, eine berufliche Musikkarriere anzustreben. Seine Mutter Olga Janke gab ihm im Alter von 3 Jahren den ersten Klavierunterricht und seine Tante Tatyana Kamysheva lehrte ihn Komposition und Musiktheorie. Während Bodeks Kindheit führten die politischen Unruhen in seiner polnischen Heimat dazu, dass Bodek und seine Familie nach Deutschland übersiedelten, wo er das Badische Konservatorium in Karlsruhe besuchte.

Hier erhielt er seine klassische Schlagzeug- und Musiktheorie-Ausbildung. Bereits als Jugendlicher wurde Bodek zu einem international anerkannten Marimba-Virtuosen.

Von 1998 bis 2004 studierte er Jazzschlagzeug und Komposition an der Musikhochschule Köln und schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Im Jahr 2004 begann er ein Masterstudium der Künste und Musik-Performance am City College New York City, das er 2007 abschloss. Während seines 6-jährigen Aufenthalts (2004-2010) in New York City hatte er die Gelegenheit, mit verschiedenen Künstlern zu arbeiten: David Liebman, Billy Harper, Ben Monder und Dave Binney . Er trat mehrmals in der Carnegie Hall auf (wo sein Arrangement von Wings, einer Komposition des Tabla-Maestros Pandit Samir Chatterjee, vom Orpheus Chamber Orchestra vor dem Auftritt von Anoushka Shankar uraufgeführt wurde) und begeisterte das Publikum vieler legendärer Clubs der Stadt mit seiner Musik (wie Iridium, Smalls, The Knitting Factory, 55 Bar, Rockwood Music Hall, Cornelia Street Café).

Sowohl seine internationalen Auftritte, Aufnahmesessions als auch das Unterrichten von Meisterkursen sind seither eine wichtige Inspirationsquelle für seine Musik und seine Arbeit. Im Jahr 2010 kehrte Bodek nach Deutschland zurück, wo er sowohl als Leader als auch als Sideman einen vollen Terminkalender pflegt. In der Zwischenzeit hat er Lehraufträge an verschiedenen Hochschulen wahrgenommen: Musikhochschule Köln, Folkwang Musikschule Essen und Musikhochschule Mannheim. Seit 2013 betreibt er das Zentrum für Musik, Kultur und Gesundheit in Przesieka (Polen), wo er jährlich ein Treffen - das internationale Summer Exchange Festival - organisiert, das Menschen aus allen Kulturen, Religionen und Kontinenten zusammenbringt und zu dem nicht nur Musiker, sondern auch Yogalehrer & Gesundheitspraktiker in das schöne kleine Dorf im Riesengebirge / Niederschlesien kommen.

Auftritte auf Jazzfestivals: Moers Jazz, Izmir Caz Festivali, Jazzycolors Paris, Jazz Au Chellah Rabat, Jazz from A to Z Almaty, Jazzopen Stuttgart, sowie Konzertengagements in der Carnegie Hall, dem Kennedy Centre (Washington DC), den Philharmonien von Köln, Essen, Warschau und Almaty, dem Boulez Saal in Berlin. Zudem trat Bodek mehrfach auf Schloss Elmau auf und machte Musikaufnahmen für Labels wie Universal, ACT, Sony Music, Enja, Melodia, Jazz'n'Arts und Neuklang.

Im Jahr 2008 wurde er mit dem Jazzpreis Baden-Württemberg, der höchstdotierten deutschen Auszeichnung für Jazzmusiker, und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. 2010 wurde er beim Neuen Deutschen Jazzpreis in Mannheim zum besten Solisten des Jahres gewählt und gewann den 1. Preis beim 4. Internationalen Bukarester Jazzwettbewerb. Bodek war Stipendiat der Baden-Württemberg Arts Foundation, der Kunststiftung Baden-Württemberg und des Betty Carter Jazz Ahead in Washington. Im Jahr 2015 wurde er im Rahmen des multikulturellen Projekts Eurasians Unity mit der renommierten Weltmusikauszeichnung RUTH beim TFF Rudolstadt Musikfestival ausgezeichnet.

Aktuelles Album

Bodek Janke - Song 2

Bodek Janke - Song 2

Shishani Vranckx - vocals
Kristjan Randalu - piano
Phil Donkin - bass
Bodek Janke - drums & percussion

Featuring:
Bill Evans – soprano & tenor saxophones
Gilad Hekselman – electric guitar
Sebastian Studnitzky – trumpet
Atom String Quartet

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Die Titel im Detail
Take on Me
Die Streicher legen klassisch vor. Balladeske Stimmung kommt auf. Die sparsamen Piano-Akkorde verlieren sich fast, dann gibt das Piano die Melodie vor, Drums und Bass setzen ein. Die Stimme macht weiter, wo das Piano aufhört. Rhythmisch wird es akzentuierter, die Melodielinie unisono von der Combo gespielt. Shishani Vranckx bevorzugt in ihrem Gesang einen souligen Akzent. Weiter geht´s mit rhythmischen Wechseln und Überraschungen. Bodek Janke zeigt, was in den Drums plus in seinen Händen steckt. Hau den Lukas, ja, aber hier sehr differenziert mit viel Feingefühl. Das Quartett fällt ein, steuert dramatische Akzente bei, bevor der Gesang Dramatik und Titel ausklingen lässt.

Minority
Die Gitarre legt los, knappe Akkorde schlagend, Funky-Beat von Drums und Bass prägen den Titel. Ins gleiche Genre erhebt sich die Stimme von Shishani Vranckx: kurz, knapp, die Motive nur angerissen, ein sparsamer Titel. Das Piano belebt die ruppigen Beats mir kleinen Verzierungen, der Funk-Charakter des Titels bleibt erhalten. Kurze Einfälle der solistischen Trompete und den elektronisch verkleideten Bläser-Imitation des Keyboards - füllen das Thema. Jetzt geht es emotional stärker ab, nimmt an Ausdruck zu. Die Gitarre schlägt ein kurzes Riff, die Gesangsstimme trägt ihre eindringlichen Farbtupfer darauf. Einzelnen Sequenzen des Blechs runden ab. Ein stimmiger Titel zwischen Soul und Funk.

What is Love?
Harfenklänge? Eher Daumen-Piano oder Elektronik, dann Flötentöne. Shishani Vranckx liefert behutsam zarte Töne, während das dezente Streich-Quartett den Hintergrund abrundet. Einzelne Schreie des Sax´ blitzen auf, dann ist elektronisches Piano oder Keyboard zu hören. Das Tenorsaxofon von Bill Evans stellt das Thema vor, die anderen Instrumente ergänzen. Pianist Kristjan Randalu schlägt leise, aber markante Akkorde. Der einsetzende Gesang macht den leisen Titel vollends zur Ballade. What is Love? Das ist die zentrale Frage des Gedichts. Ob sie beantwortet wird? Musikalisch schon eher, inhaltlich wohl weniger. Dieser Song ist eine gefühlvolle Ballade, die differenziert vorgetragen und von den Bodek Janke feinsinnig ausgetrommelt wird. Eine unaufdringliche Eleganz von Tenorsax und Gesang durchzieht die Liebes-Ballade, die sich durch Expressivität und Emotionen aller Solisten spürbar steigert. Das erwarten die Hörenden auch von einer Liebesgeschichte, die berühren soll. Zart haucht sich die Geschichte mit einzelnen Stimmen aus.

Lost
Gitarrenklänge bereiten die Grundierung vor für den Einsatz der Stimme. Peu à peu gesellen sich die anderen dazu. Das Stück hat mehr als nur ein Tough von Folk Song. Es wird rhythmischer, dezent rockig. In diesen verhaltenen Beat bläst die Trompete von Sebastian Studnitzky verlorene Tonfolgen. Die Sängerin ist mit ihren geraunten Beschwörungen stets im Vordergrund. Der diskrete Rock mutiert zum subtilen Funk mit souligen Einsprengseln von Shishani Vranckx, die sich mit der Klangfarbe des Blechs abwechseln. Das Piano wirft leicht swingende Läufe in den Sound. Drums und Bass halten sich vornehm zurück. Lost in Sound?

Make Me Out
Zurückhaltendes leises Getrommel, gehauchte Stimmen, Flötentöne, alles sehr sparsam, nur angerissen, angespielt und angehaucht. Mittels Gesang stellt sich ein Thema vor, begleitet von den ebenfalls nur angeblasenen Tonfolgen der Trompete. Bodek Janke traut sich jetzt, auch mal fester auf die Trommeln zu schlagen. Von fern poppt eine Gitarrenstimme auf, die Musik hat noch wenig Fahrt, es ist mehr eine Vertonung von Feldern und musikalischen Räumen als von bewegten Themen und Rhythmen. Das Spiel der Gitarre von Gilad Hekselman wird schriller, der Beat wechselt wieder ins Genre Funk, deutlich unterstützt durch Perkussionsinstrumente. Auch das Piano ist wieder mit akzentuierten Anschlägen dabei. Der Sound tönt freier und wilder in einzelnen Klangfarben, bleibt aber im bisherigen durchlaufenden Beat des Songs.

I Fall in Love Too Easily
Ein Standard. Vorsichtige Einstimmung durchs Streichquartett, ebenso zurückhaltend lassen sich die übrigen Stimmen vernehmen. Die Melodielinie des Standards ist noch nicht erkennbar, höchstens die Harmonien, die die Streicher unterlegen. Der Gesang stellt die Melodie dann vor: still, sparsam, übervorsichtig, fast ängstlich sich zu verlieben. Die solistischen Figuren des Basses scheinen von den Höhen und besonders den Tiefen des Verliebtseins angesprochen zu sein. Warme, runde Linien von Bassist Phil Donkin interpretieren das Thema, sein Solo wird diskret von den Drums unterstützt. Das Piano säuselt währenddessen im Hintergrund, die Streicher sowieso, ein etwas melancholischer Song über das Verlieben. Die Musik ist wenig anregend, sich in die Fallstricke der Liebe zu begeben – wohl dem Zeitgeist entsprechend. I Never Fall in Love Again könnte der Titel auch lauten.

Rhythm is a Dancer
Salsa oder Samba? Irgendwas dazwischen, aber ganz eindeutig packende, rhythmisch grundierte Musica Latina. Das knallt sofort ins Ohr, der Gesang deutet die Phrasen nur an, kurz und schmerzlos, dann legt Bodek schon mal los und zeigt was in seinen Trommeln steckt. Nun ja, natürlich ist auch der Kopf beteiligt, aus dem die Ideen schlagen: Featuring the Drums könnte der Titel auch heißen. Das Piano von Kristjan Randalu hilft mit durchgeschlagenen Akkorden und Riffen aus. Der Bass von Phil Donken füllt mit sparsamen Figuren auf, hat jetzt die solistische Bühne fast für sich allein. Mittlerweile ist es ruhig, fast still geworden, da reißt das jäh einsetzende Blech von Sebastian Studnitzky alle aus ihren Tagesträumen. Der Rhythmus übernimmt die nun Themenführung, weitere solistische Sequenzen der Trompete peitschen den Titel vorwärts.

Lay in the Sun
Folkloristische Gitarrenklänge, akustisch unisono mit dem Gesang, nahe am Pop. Rhythmisch ein gerader durchlaufender Beat. Die Stimme kippt ins Schmachten mit melancholisch gefärbter Note. Jetzt bereichert das Sax von Bill Evans den Titel, bringt mehr Fahrt und leichte Dramatik. Jetzt wird nicht nur in der Sonne gelegen, sondern sich auch bewegt. Das ist seine Chance, um aus den verführerischen Tagträumen des laxen Titels doch noch etwas Handfestes zu machen. Nach einem Streicherintermezzo, beschließt der Saxofonist selbst den Weg zu weisen, mit ausschweifenden Läufen und kraftvollem Ton, wie es sich für das Tenor von Bill Evans geziemt - Carpe Diem oder einfach Jazz.

Leidenschaft
Die Drums klingen eher verhalten als leidenschaftlich bewegt und gar getrieben. Ebenso kommt die Stimme rüber. Cool, distanziert, mit kühlem Gruß vom Bossa Nova. Von Leidenschaft ist wenig zu spüren. Vielleicht ist es ironisch zu verstehen? Auch die Akkorde des Pianos passen sich diesem Stimmungsbild an. Nur die Streicher säuseln, aber auch die nicht mit Passion, sondern mit melancholischer Färbung. Wenn das Leidenschaft ist, wie mag Tristesse klingen?

Dancing in the Dark
Ohne Trommeln geht das nicht, deshalb legt auch Bodek Janke sofort los. Er bleibt nicht lange allein, denn der Gesang schmiegt sich sofort an seinen federnden Beat an. Die Stimme von Shishani Vranckx erklingt wie gehabt: zart, fast glockenhell, weniger expliziter Jazzgesang, dafür mit folkloristischem Zungenschlag. Der Beat bleibt im einem federnden Modus, mit swingender Phrasierung. Diese Spielweise bleibt durchweg erhalten, sie ist Basis und Verzierung gleichzeitig, für den Gruppensound unverzichtbar. Wiederum belebt ein Solo von Bassist Phil Donken den Song, ihn weiter ausschmückt. Soll auch getanzt werden? Zum Ende trommelt Bodek den Titel im abolut positiven Sinn in „Grund und Boden“.

Text: Cosmo Scharmer

Diskographie

  • SONG 2, 2020
  • SONG, 2018
  • East Drive - Savka i Griška, 2017
  • East Drive feat. Vadim Neselovskyi, "Studio Konzert" (LP), 2013
  • East Drive, "Folksongs 2", 2013
  • East Drive feat. Olivia Trummer, "Folksongs", 2011
  • Global Dance Kulture, 2008

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